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Im Strick-Rausch

Von der Überwindung eines Paradigmas, meditativem Stricken,

einem Schadstoff-Killer und geteiltem Glück

 

In der „Enzyklopädie der weiblichen Handarbeiten“ von 1908 beginnt das Kapitel „Stricken“ mit den Worten: „Stricken ist eines der ältesten weiblichen Handarbeiten. Die Kunst ist völlig ausgebildet; es lassen sich weder neue Stiche noch neue Muster erfinden.“

 

An dieses Paradigma müssen sich offensichtlich Generationen von handarbeitenden Frauen gehalten haben. Denn sonst wäre schon früher einmal eine von ihnen auf eine ähnliche Idee wie ich gekommen…  

 

Diesen althergebrachten Regeln war auch ich verpflichtet. Ich habe schon als ganz kleines Mädchen gestrickt. So jung, dass ich mich heute nicht einmal mehr erinnere, wer mit das Stricken eigentlich beigebracht hat. Wahrscheinlich habe ich es mir ganz neugierig bei meiner Mutter oder Großmutter einfach abgeschaut.

 

Zu der Erfindung meiner neuen StrickArt bedurfte es offenbar einiger ganz starker Impulse und „Zufälle“. Ohne Sie wäre ich wohl auch den Konventionen verhaftet geblieben…:

 

Mich faszinieren von je her gewirkte Bildteppiche, jene aus farbigen Woll-, Seiden- Gold- und Silberfäden hergestellten Wandbehänge. Vor allem wegen der langen Tradition. Es gibt ägyptische Funde bereits aus dem 2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Altchristliche und byzantinische Kirchen waren reich mit ihnen geschmückt und später wurden auch weltliche Festsäle von Schlössern und anderen repräsentativen Bauten damit ausgestattet.

 

Wenn Sie einmal im Louvre in Paris sind oder sonst wo in edlem Ambiente einem Bildteppich begegnen, dann gehen sie einmal ganz dicht heran. Falls man Sie lässt. Wenn die sichtbaren Fäden die Waagerechte verlassen und nur relativ kleine Flächen wie eingestopft wirken, dann haben Sie einen echten Wirkteppich vor sich.

 

Die schneller und billiger auf mechanischen Jacquard-Webstühlen gewebten Bildteppiche erkennen Sie an den durchweg waagerechten Fäden. Sie sehen natürlich auch gut aus, aber den industriell gewebten fehlt - wie ich finde - einfach die Seele.

 

Gewirkte Bildteppiche lassen sich nicht maschinell herstellen. Und sie lassen sich auch nicht kopieren. In mühevoller Kleinarbeit werden an breiten Webstühlen nach und nach kleinste Flächen gearbeitet. Eine langwierige Arbeit. Ich weiß wovon ich spreche; ich habe selbst schon Gobelins gewebt. Allerdings nur relativ kleinformatige.

 

Das wohl wichtigste Ereignis zur Entstehung der von mir entwickelten StrickArt ist gar nicht so erfreulich: Ich war sehr krank und musste längere Zeit im Krankenhaus das Bett hüten. Als man mir offenbarte, dass ich wohl ein halbes Jahr meinem Körper Zeit und Ruhe zur Genesung werde geben müssen, suchte ich nach einem anregenden und nicht so schnell langweilig werdenden Zeitvertreib. Ich ging gedanklich die ganze Palette dessen durch, was ich in meiner Ausbildung zur Textilgestalterin gelernt hatte.

 

Besonders viel Spaß gemacht hatte mir immer das Bildweben. Eine Tätigkeit, die für mich nie eintönig wurde.  Am liebsten hätte ich einen Bildteppich gewirkt. …aber ein Webstuhl im Krankenhausbett???

 

Beim intensivem Nachdenken darüber, wie ich meinen Wunsch trotz widriger Umstände  dennoch realisieren könne, kam ich auf die – aus heutiger Sicht grandiose – Idee, die von mir so bewunderte Bild-Wirk-Technik in Strick zu übertragen. Schließlich sind Stricknadeln ja durchaus krankenbett-tauglich.

Und so begann eine Zeit des intensiven Experimentierens. Zeit genug zum Ausprobieren hatte ich ja.

 

Was entstand, waren Arbeiten in einer ganz neuartigen Formensprache. Das für mich Faszinierendste aus den gewirkten Bildteppichen, die schwingenden, organischen Formen, sind übernommen. Und es sind noch zusätzliche Möglichkeiten der Erweiterung aus der Strick-Technik hinzugekommen.   

Das war 1989.  

 

Wieder genesen, nahm mich mein berufliches Engagement wieder ganz in seinen Bann. Zum Stricken blieb kaum Zeit. Meine StrickArt-Erfindung geriet in Vergessenheit und angefangene Arbeiten verschwanden in Archiv-Kisten.  

 

Leider hatte ich meinen Gaben nicht die ihnen zustehende Wertschätzung entgegengebracht.  

Mangelnde Wertschätzung der eigenen Talente, das ist etwas, das ich auch häufig bei anderen beobachte. Da wird im Außen nach Möglichkeiten gesucht, eine Weiterbildung nach der anderen absolviert, mühsam erworbenes Wissen und erlerntes Können angehäuft – und dabei ist alles, das für die wahre Berufung erforderlich ist, bereits im Innern vorhanden. Weil das, was ganz leicht geht und „schon immer da war“, so sehr zu uns gehört, dass wir es als selbstverständlich abtun und es für uns wenig bedeutet.  

 

Und darum mussten – wegen der mangelnden Wertschätzung - auch erst noch einmal einige Jahre vergehen bis erst im Jahr 2000 ein weiterer entscheidende Impuls kam:

In einer meiner Promotions-Veranstaltungen für Kleinunternehmerinnen, einem von mir veranstalteten "Klugen Buffet", hatte ich eine Gruppe von Frauen mit einer Strickmodenschau vorzustellen. Interessante Arbeiten mit erstaunlich hohem ästhetischem Anspruch. Beeindruckend auch für mich, mit welcher Begeisterung die Strickerinnen ihrem Hobby nachgingen…

 

Erst da erinnerte mich wieder an meine eigenen Strick-Künste und kramte die alten Sachen heraus. Wie gut, dass nach einigen Umzügen überhaupt noch etwas da war. Ich hielt die Ergebnisse meiner eigenen Arbeit in Händen und staunte, was ich früher bereits zustande gebracht hatte.

 

Seither hat es mich nicht mehr losgelassen.

Zunächst sind eine ganze Reihe von Arbeiten in meiner StrickArt entstanden. Neben einigen wenigen Bekleidungsstücken vor allem Wandbilder. Auch großformatige. Das bisher größte Wandbild aus meiner Allein-Schaffens-Zeit, "Peters Farben" misst 180 x 180 cm.

Auch die Methode ist wesentlich ausgereifter geworden. Und auch einfacher. Komplizierte Strickschriften wie zu Anfang waren nicht mehr nötig.

 

Die ersten Arbeiten waren noch einfädig gestrickt. Ihre Wirkung ist eher plakativ. Auf der Suche nach mehr Diffenrenzierungsmöglichkeiten stieß ich auf ganz dünne Garne aus der Industrie. Wenn man mehrere unterschiedliche Fäden zusammenfügt und sie zusammenverstrickt, erhält man ganz fein abgestuften Farbharmonien.  

Wenn ich beispielsweise mit nur 13 verschiedenen Garnen arbeite, die Garne jeweils 4-fach verwende, entstehen 715 (!) verschiedene Farbnuancen. Ein Maler nennt das „eine reiche Farbpalette“.  

 

Der größte Reiz dieser StrickArt liegt für mich im Machen. Der Weg ist das Ziel. Für mich ist das Stricken in dieser Technik eine ganz sinnliche, meditative, fast spirituelle Tätigkeit.

Es bedeutet für mich Glück, an einem schönen Ort mit vielen angenehmen Sinneswahrnehmungen strickend in mich zu versinken. Es ist, als wenn meine äußeren Eindrücke zusammen mit meinen Gedanken und Gefühlen gespeichert würden.    

 

Wenn ich mir heute beispielsweise das Bild „Flammende Leidenschaft“ ansehe, habe ich das Gefühl, wieder beim Stricken in der schönen Hotelanlage an der türkischen Riviera zu sein. Ich "spüre" die Wärme der Sonne, "sehe" die leuchtende Farbe der Orangen an dem Baum über mir, "rieche" die exotischen Blumen und ich "höre" das beruhigende Rauschen des Meeres.

Ich könnte Ihnen sogar ziemlich genau den Inhalt des Buches wiedergeben, das mir mein Mann damals im Urlaub vorgelesen hat. 

 

Zu dieser starken emotionalen Verankerung und entspannenden Wirkung trägt sicherlich auch die Herangehensweise vom Entwurf bis zur Fertigstellung der Strick-Arbeiten bei: 

In einem relativ kurzen kreativen Schöpfungsakt werden die Spielregeln für die Entstehung des zukünftigen Werkes festgelegt. Ohne dass ich mir in diesem Augenblick bis ins Detail die spätere Balance von Harmonien und Kontrasten vorstellen kann. Wie bei der Entstehung von Leben, wo auch zu Beginn keiner genau voraussagen kann, wie sich die Kombination der Gene in einzelnen Eigenschaften auswirken wird.

 

Darum heißt es beim Stricken selbst dann, einfach loslassen, alles fließen lassen und in Demut diesem „Lebens“-Plan des Kunstwerkes bis zur Vollendung folgen.

 

Wie oft ist es mir so gegangen: Ich staune, welche Formen entstehen und nach welchen Farbkombinationen die Spielregeln verlangen. Ich denke: „So hättest Du das jetzt von Verstand her aber nicht gemacht.“ Erst wenn alles fertig und der große Zusammenhang erkennbar ist, erschließt sich mir der Sinn einzelner Schritte und die Schönheit des Ganzen. Manchmal ist mir, als wenn mein Tun von einer höheren Instanz gelenkt würde …

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass so das Stricken bis zur letzten Masche spannend bleibt und man in einen wahren Strickrausch verfallen kann.

 

Eine Zeit lang war mein Kluge-StrickArt-Stricken nur mein privater Freizeitspaß.
Bis es wieder eine Sternstunde gab...

 

Mein Mann und ich, wir waren im Urlaub. Es war noch sehr früh und ich saß - um meinen Mann nicht zu wecken - auf der Bettkante und strickte so vor mich hin. Ich war damals als Marketing-Fachfrau für kleine Frauenunternehmen tätig und hatte hautnah erleben müssen, wie wieder mal eine Unternehmerin völlig unverschuldet in Konkurs ging.

Ich saß also da und sagte mir in Gedanken: "Wir sind doch intelligent. Uns muss doch etwas einfallen, wie Frauen in Würde und unabhängig von skrupellosen Geschäftemachern Geld verdienen können. Am besten wäre etwas, was frau auch noch bis ins hohe Alter mit Spaß betreiben kann. Sich ein Zubrot zur meist mickrigen Rente verdienen."

 

Und während ich da so nachdachte, fiel mein Blick auf meine strickenden Hände und es schoss mir durch den Kopf: "Du hast es ja im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand: Die von Dir entwickelte StrickArt ist ein echtes Premium-Produkt und auf diesem Gebiet bist Du schon jetzt Weltmarktführer. Nur dass "die Welt" noch nichts davon weiß.."

 

Ich brauche doch eigentlich nur mein Wissen und Können freizugeben und mit anderen zu teilen. 

Wenn ich mich beim Stricken ganz schnell und intensiv entspannen kann, dann geht das vielleicht auch anderen so.

Wenn ich beim Stricken so wunderbar den Kopf frei bekomme für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, dann wird das vielleicht auch für andere so sein.

Wenn meine beim Stricken gedachten Gedanken, meine empfundenen Gefühle, die Erinnerung an meine Erlebnisse ein Bestandteil meiner Bilder werden, dann geht das vielleicht auch anderen so. 

Wenn meine Bilder für mich zu Heiligtümern werden, dann können sich vielleicht andere Menschen auch ihre heiligen Anker schaffen.

 

Außerdem könnte ich meine StrickArt-Erfindung zur Milderung dessen nutzen, was mich emotional so sehr bewegt: Ich könnte vor allem Frauen vielfältige Möglichkeiten eröffnen, in Würde und mit Spaß zu selbst verdientem Geld zu kommen.

 

Wenn ich meine StrickArt-Erfindung in den Dienst der Sache stelle, sie mit meinem vorhandenen Know How als Business-Coach, Marketing-Fachfrau und suggestopädisch ausgebildeten Lehrenden verknüpfe, könnten gute Arbeitsplätze entstehen. Für Kursleiterinnen, die die StrickArt lehren. Für Strickerinnen, die ihre Kunst-Werke verkaufen oder vermieten oder im Auftrag arbeiten. Für Leute, die für die Arbeiten der geschickten Hände Ausstellungen organisieren. Und vieles mehr.

 

Gesagt, getan.

Im Frühjahr 2003 habe ich den ersten Schritt getan und einen Kurs zum Erlernen der KlugeStrichArt gegeben.

 

Seit ich meine Gaben dieser „höheren Aufgabe“ widme und einem größeren Personenkreis zur Nutzung anbiete, „fließt“ es. Es ist, als wenn das Universum sich als Förderer betätigt...

 

Nur ein Beispiel:

Ich fliege nach Marokko und bekomme von der Flugbegleiterin zur Unterhaltung eine Frauenzeitschrift in die Hand gedrückt. Beim Durchblättern will es der „Zufall“, dass ich darin einen ganz wesentlichen Zusatznutzen für die Strickbilder entdecke:

Es gäbe, so wird berichtet, ein neues Patent-Rezept gegen Wohngifte: Natürliche Schafwolle. Was sich anhört wie Knoblauch gegen Vampire, soll tatsächlich funktionieren. Der Naturstoff stünde vor einer ungeahnten Karriere als Schadstoffkiller gegen Formaldehyd und andere gefährliche Stoffe. Ein Dr. Zwiener: „Die Formaldehyd-Moleküle reagieren mit den Bestandteilen der Wolle, es entsteht eine chemische Bindung. Selbst wenn es tödliche Konzentrationen geben  sollte – wie wir sie im Labor hergestellt haben -, werden sie durch die Schafwolle neutralisiert.“

"Eine Firma aus Friedberg stellt so genannte Raumluft-Module her", lese ich weiter. Dabei handele es sich um bis zu einem Quadratmeter große und gelochte Blechplatten, in denen ein Woll-Vlies eingearbeitet ist. Man hängt sie einfach an die Wand.

 

Klick, die Idee! Die KlugeStrickArt-Bilder sind ohnehin aus guter Natur-Wolle gemacht und  - wie Ölgemälde - auf Keilrahmen gespannt. Der bisher nicht genutzte Hohlraum kann bei Bedarf also völlig unproblematisch mit dem Schafwoll-Vlies gefüllt werden und fertig ist ein hochwirksamer Raumluft-Filter. Welch ein Zusatznutzen!

Wenn ich als Allergiker oder Raucher die Wahl hätte, ob ich mir eine gelochte Metallplatte oder ein warmes, anheimelndes KlugeStrickArt-Bild an die Wand hänge – mir wäre die ästhetischere Variante  entschieden sympathischer! Und wenn es dann noch selbst gestrickt und mit den eigenen Emotionen verwoben wäre: Ein perfekter Wohnraum-Wohlfühler.

 

So sind KlugeStrickArt-Bilder inzwischen nicht nur ein einzigartiger ästhetischer Wandschmuck, sondern können auch spirituelles Erleben fördern, Not lindern und die handfeste Funktion als Luftfilter übernehmen. Welch ungeahnten Möglichkeiten da noch schlummern…

 

„StrickRausch“ ist in der relativ kurzen Zeit zu einem aufstrebenden Unternehmen mit vielen Aktivitäten und Angeboten rund um die Kluge StrickArt geworden. Durch die Mitwirkung der ständig wachsenden Schar von StrickRauscherinnen ist die Entwicklung stark beschleunigt worden. So dass selbst mir manchmal das Tempo zu schnell ist. Und das will schon was heißen. 

 

Mit zunehmender Zahl von KönnerInnen werde ich mich mehr und mehr auf die Entwicklung von neuen (Präsenz- und Online)Kursen, die Aus- und Weiterbildung von KursleiterInnen, auf Publikationen im Eigenverlag, auf die Organisation von ganz speziellen Events, auf Verkaufsförderung und Auftragsvermittlung konzentrieren.

 

Na dann, packen wir es an!

 

 

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© Gabriele Kluge / StrickRausch  kluge@strickrausch.de